Stadtplanung, Umwelt

Wird das Holzvogtland komplett zugebaut?

Über das Holzvogtland und die geplante Bebauung durch die Wohnbauer GmbH wurde ja schon hinreichend diskutiert. 

Mal abgesehen von der tatsächlichen Wohnraumsituation gibt es ja immer noch den Wunsch eines Großteils der Reinbeker, dass ein gewisses Maß an Grünflächen verfügbar bleibt.

Scheinbar soll für das Quartier Kampsredder ja nur ein kleiner Bereich tatsächlich verbaut werden. Weitere Planungsabsichten für das Restgebiet des Holzvogtlandes von diesem oder anderen Investoren mal außen vor gelassen. Es ist aber anscheinend in Vergessenheit geraten, dass die Hertz Flavors GmbH & Co. KG auf der Fläche südlich der Sachsenwald Straße neue Firmengebäude baut. 

Die Baumaßnahmen wurden von der Stadt Reinbek aufgrund einer Beschlussvorlage aus dem Jahr 2016 genehmigt und jetzt sieht man die ersten Aktivitäten auf der Fläche.

Erst wenn man sich die Beschlussvorlage und die geplanten Gebäude anschaut, werden einem die Dimensionen der neuen Bebauung bewusst.

Man bekommt schon das Gefühl, dass mittelfristig die gesamte freie und landwirtschaftlich genutzte Fläche in diesem Gebiet komplett zugebaut wird. Es wäre an der Zeit, durch die weiteren Baumaßnahmen im Gewerbegebiet und den dabei weiter reduzierten Grünflächen das Bauvorhaben Kampsredder im Holzvogtland erneut zu überdenken. Das ehemals beabsichtigte Trennen der einzelnen Stadtteile ist damit dann ad acta gelegt.

Wenn Reinbek wirklich “Die Stadt im Grünen” bleiben soll, sollte man in diesem Gebiet vielleicht langsam etwas Zurückhaltung üben.

Ansonsten wäre es an der Zeit, umzutiteln: Reinbek, die Stadt im Grünen ohne Grün.

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Allgemein, Kommunalpolitik, Stadtplanung, Umwelt

Wie viel Mut hat Reinbek?

„Es braucht Mut zu sagen, hier wird nicht gebaut“ äußert Stadtplanerin Christine Reicher über Flächenfraß in der FAZ vom 07.03.2021 (Reicher ist Universitätsprofessorin an der RWTH Aachen, Stadtplanerin und Architektin).

Es gab mal einen Bürgerentscheid in 1999, der ergab, dass eine Bebauung des Holzvogtlandes nicht von der Bevölkerung gewünscht war. Ungefähr die Hälfte der wahlberechtigten Einwohner hatten ihre Stimme abgegeben und davon votierten knapp 70% gegen eine Bebauung des Holzvogtlandes. Eine Mehrheit im ⅔- und ¾-Bereich! Ebenso gab und gibt es aktuell das Stadtleitbild sowie den Stadtcheck.

Vom zurückliegenden Bürgerentscheid aus 1999 könnte man sagen, gut, ist länger her, die Zeiten haben sich in den letzten gut 20 Jahren geändert – die Sichtweise vielleicht auch. Beim Stadtleitbild und Stadtcheck ist dem nicht so.
Auch wenn beides immer wieder gerne in Vergessenheit zu geraten scheint, die Relevanz und Richtungsweisung ist nach wie vor aktuell und erweist sich leider eben nur nicht als präsent.

Benötigt Reinbek Wohnraum?
Eine Frage, die klar mit JA zu beantworten ist, sonst gäbe es in Reinbek logischerweise keinen, aber die Frage ist viel mehr:
Benötigt Reinbek mehr Wohnraum, wie viel und welcher Art?
Von Seiten der Politik ist immer zu hören, dass vor allem bezahlbarer Wohnraum benötigt wird. Was bezahlbar heißt, darüber lässt sich trefflich streiten. 

Wenn denn dann gebaut wurde in den letzten Jahren, so war der Anteil, der die günstigen, vermeintlich bezahlbaren Mieten aufwies, prozentual nicht sehr stark vertreten. Dieses hängt auch sicherlich mit der Art der Bebauung zusammen, bei großen, hohen Wohnblöcken, wie sie bspw. in der Nähe in Glinde zu finden sind, ist die Wahrscheinlichkeit größer. Im neuen Gebiet in Reinbek, Schröders Koppel, sieht das logischerweise anders aus. 

Aus Investorensicht ist ein in dieser Bauform praktizierter Wohnungsbau kaum darstellbar. Zu gering die Fläche, zu teuer der Baugrund, zu hoch die Baukosten. Im Hochhausstil mit 20 Geschossen würde das sicherlich anders ausfallen. Ist es aber dieser Stil, der zu Reinbek passt und den die Reinbeker Bürger möchten?

Ein Höhepunkt ist aber darin zu finden, dass nicht nur für den derzeit südlichen Teil ein Vorhabenplan existiert, sondern auch Überlegungen für die übrigen, restlichen Teile des Holzvogtlandes kursieren, wie im Hamburger Abendblatt zu lesen ist. Es scheint, als würde hierüber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, was erklärlich ist, immerhin, es gab ja mal das Bürgerbegehren mit eindeutigem Resultat. 

Sähe ein aktuelles Begehren im Ergebnis anders aus? Könnte die in Aussicht gestellte Einwohnerversammlung hier hilfreich sein? Von der konzeptionellen Seite mit Bürgerbeteiligung ist dies nicht zwingend zu erwarten, so sich denn an Stadtcheck, Klimaschutzkonzept und Stadtleitbild gehalten würde. Auch in der Umweltsicht hat sich in den letzten 20 Jahren doch einiges geändert, Flächenfraß wurde damals nicht intensiv diskutiert. 

Mit dem heutigen Denken erklärt sich die eingangs gestellte Frage: wie viel Mut hat Reinbek zu sagen, hier wird nicht gebaut?

Umwelt, Verkehr

Nah.SH spricht sich eher gegen eine Taktverdichtung bei der S21 aus

Das Gutachten

OdeS – Optimierung des Schienenverkehrs in Schleswig-Holstein für das MWVATT

wurde jetzt auf http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/umdrucke/05500/umdruck-19-05543.pdf veröffentlicht. 

Hier wurde im Anhang auch explizit auf den 10-Minuten-Takt für die S21 hingewiesen (siehe Seite 139 des Gutachtens, welche Seite 153 des PDFs entspricht).

Auf Seite 55 des Gutachtens wird direkt Bezug auf die Verbesserung des S-Bahn-Verkehrs von und nach Hamburg genommen:

”Die Strecken, die auf die Freie und Hansestadt Hamburg zulaufen, werden vergleichsweise stark an Fahrgastnachfrage gewinnen. Hier wirken sich die positive Entwicklung der Einwohner und insbesondere die Maßnahmen, welche die S-Bahn Hamburg betreffen, mit zunehmenden Fahrgastzahlen aus.”

Gutachten OdeS

Lt. Hamburger Abendblatt vom 06.04.2021 beträgt das Potential 2.250 zusätzliche Fahrgäste täglich, die dann nicht mit dem Auto von und nach Hamburg pendeln würden.

Der Nah.SH scheint dem aber keine große Bedeutung beizumessen. In den Kieler Nachrichten vom 06.04.2021 (Seite 12) wird der Geschäftsführer Arne Beck mit den Worten zitiert:

“Für Kiel gilt genau wie für Lübeck und Flensburg: Hier kann der Bahnverkehr ins Umland noch viel besser werden. Ich sehe hier weiterhin enormes Fahrgastpotential im Verhältnis sogar mehr als im Hamburger Umland, wo der Bahnverkehr schon heute einen hohen Marktanteil hat.”

Kieler Nachrichten vom 06.04.2021

Dieses Zitat lässt sich durchaus so interpretieren, dass absolute Zahlen nicht relevant sind. Es ist zwar gut, wenn der Bahnverkehr im Umland von Lübeck und Flensburg weitere Marktanteile gewinnt, für den Umweltschutz ist es wahrscheinlich sinnvoller, möglichst viele Fahrgäste zu gewinnen und da ist mit einer einfach und schnell umzusetzenden Maßnahme, wie der Taktverdichtung, sehr viel gewonnen.

Aber man kann auch vielleicht noch etwas weiter denken. Wenn die zusätzlichen Fahrgäste auf die Fahrt mit dem Auto verzichten, werden auch weniger PKW benötigt (so entfielen z. B. die Zweitwagen, die nur für das Pendeln genutzt werden), bzw. sie könnten länger genutzt werden. Straßen würden länger halten, da sie weniger befahren werden.

Auch diesen Aspekt sollte man im Gesamtbild nicht vernachlässigen und auch hier gilt das Prinzip, dass man schnell mit geringem Aufwand einen möglichst hohen Nutzen erzielen sollte. 

Vorschläge, wie neue Bahntrassen sind durchaus sinnvoll, werden aber Jahrzehnte für die Umsetzung in Anspruch nehmen und sollten parallel durchgeführt werden. Sie bringen aber kurzfristig keine Entlastung der Umwelt.

Dieses Argument stimmt auch mit der Aussage Arne Becks überein:

“… bringen kleinere Projekte oft im Verhältnis schneller mehr als die ganz großen.”

Kieler Nachrichten vom 06.04.2021

Natürlich kosten diese Maßnahmen Geld, dass zur Zeit vielleicht an anderer Stelle benötigt wird. Aber wenn alle Parteien ihren Parteiprogrammen folgen und den Willen haben, den Umweltschutz voranzutreiben, dann sollten den Worten möglichst schnell auch Taten folgen und sie sollten zusammen etwas bewegen.