Allgemein, Kommunalpolitik, Stadtplanung, Umwelt, Verkehr

Das Volk ist dumm, das Volk ist doof, es soll bleiben stumm, zuhause schweigend auf seinem Hof

Eine Frage, die in Reinbek immer wieder auftaucht, warum es so viele Bürgerinitiativen in der Stadt gibt bzw. gab. Reinbek wurde auch schon als die Stadt der Bürgerinitiativen beschrieben. Kürzlich wurde in der Politik von der Stadtverordnetenseite beschworen, nicht das gallische Dorf sein zu wollen, was sich gewissen Entwicklungen verweigert. Das war aber die Politik, respektive eine einzelne Aussage.

Die Bürger – sprich Einwohner – scheinen das zum Teil anders zu sehen. Den Grund kennt keiner? Doch, zumindest ein Teil ist deutlich ersichtlich und auch an verschiedensten Stellen schon artikuliert worden: mangelnde Transparenz, in diesem Fall als „Verschwiegenheit“ bezeichnet*), zudem bewusst so gestaltet.

Wenn, wie vor kurzem wieder geschehen, Beratungen über Entwicklungen mit bedeutenden Auswirkungen hinter verschlossenen Türen unter „Geheimhaltung“ stattfinden, trägt das nicht gerade zum Vertrauen der Bevölkerung bei. Die Lösung wäre so einfach: durch die Einbeziehung der Mitbürger ließen sich ziemlich simpel aufkommende Verdachtsmomente des Mauschelns und Überfahrenwerdens entkräften oder verhindern.

So bleibt jedoch immer das Geschmäckle, dass Dinge aus eigenem Interesse mit gegebenenfalls dann unterstellter Vorteilsnahme, die noch nicht einmal finanzieller Art sein muss, für einen kleinen Kreis geregelt werden sollen. Der außen stehende Zuschauer wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Was daraus resultiert ist klar, es findet sich eine Gruppe zusammen, die mit den Ergebnissen nicht so recht einverstanden ist … und schon entsteht eine Bürgerinitiative.

Diese Initiativen haben dann nicht nur gemein, dass sie gegen etwas sind, nein, sie treten auch für etwas ein, nämlich das Wohl der Stadt. Das Gegen wurde zuvor von den Personen hinter den verschlossenen Türen mit verursacht, wäre ansonsten womöglich gar nicht entstanden und wäre durch offene Prozesse meist vermeidbar gewesen.

Zudem ist die Frage, ob offene Prozesse nicht auch für alle zeitmässig wirtschaftlicher sind. Vorne ein bisschen mehr hineinzustecken, anstatt hinterher groß umräumen und Konfrontationen abbauen zu müssen.

Ein weiterer Effekt durch die Berücksichtigung der Bürgerinteressen ist eine Vermeidung der Gründung einer Wählergruppe, die dann aus Menschen besteht, die sich mit dem Verhalten der etablierten Parteien nicht mehr abfinden wollen.

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*) siehe auch: 

1. Hamburger Abendblatt, 11.10.2021, Stormarn-Teil, “Reinbeks Grüne steigen aus Arbeitskreis Stadtteilplanung aus” [bisher nur in der Printausgabe, NICHT online zu finden]

2. Der Reinbeker, 18.10.2021, S. 16, “GRÜNE steigen aus nicht-öffentlichem Arbeitskreis aus”

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Umlaufsperren – Huh – What is it good for?

Das Stadtradeln 2021 ist in Reinbek vorbei und auch Z!R hat dieses Mal wieder ein paar Kilometer geschafft. Dies wollen wir zum Anlass nehmen auf die Probleme der Radfahrer aufmerksam zu machen. Ein großes Hindernis – nicht nur für Radfahrer – sind die sogenannten Umlaufsperren.

Was sind Umlaufsperren und was ist deren Zweck?

Laut Wikipedia ergibt sich folgende Definition des Begriffs Umlaufsperre:

Ein Umlaufgitter oder eine Umlaufsperre, nach DIN 18040-3 Umlaufschranke(n) (umgangssprachlich Drängelgitter) ist eine Anordnung von Gittern, die am Ende eines Weges oder auf einem Weg als Barriere wirken. Um dem Weg zu folgen, müssen die Gitter in Form einer Schlangenlinie oder Z-förmig umlaufen oder umfahren werden. Es gibt unterschiedliche Anordnungen, beispielsweise als Durchlass in einem Gitter, vor dem ein zweites Gitter als Sperre steht, oder als zwei ineinanderkämmende U-förmige Teile. 

Wikipedia

Als Zweck wird bei Wikipedia angegeben:

Umlaufgitter dienen in der Regel zwei unterschiedlichen Zwecken. Einerseits bremsen sie Fußgänger und Radfahrer aus, beispielsweise an Ausgängen von Schulen und Kindergärten, damit Kinder nicht auf die Fahrbahn stürmen oder an Radwegen die Hauptstraßen kreuzen. Sie dürfen aber „nur an Querungsstellen mit schlechten Sichtverhältnissen oder stärkerem Kfz-Verkehr (Sammelstraßen und Hauptverkehrsstraßen)“ eingesetzt werden.. Andererseits werden Umlaufgitter an Bahnübergängen für Fußgänger und Radfahrer eingesetzt. 

Wikipedia

Es gibt also schon Gründe warum Umlaufsperren sinnvoll sein können. Man darf jedoch bezweifeln, dass diese an sämtlichen Stellen gegeben sind, an denen Umlaufsperren in Reinbek aufgestellt wurden.

Probleme für Verkehrsteilnehmer durch Umlaufsperren

Für Radfahrer stellen die Reinbeker Umlaufsperren ein Problem da. Sie sind i. d. R. so eng, dass man Schwierigkeiten hat sie zu passieren. Wenn ein Lastenrad genutzt wird, breite Packtaschen oder einen Anhänger verwendet, ist es teilweise schlichtweg unmöglich diese Umlaufsperren zu durchfahren. 

Aber auch Menschen, die auf einen Rollator oder E-Scooter angewiesen sind, haben, aufgrund der geringen Abstände zwischen den Gittern, Schwierigkeiten dort durch zu kommen. Rollstuhlfahrer dürften ähnliche Schwierigkeiten haben und Nutzer von Dreirädern müssen definitiv Umwege in Kauf nehmen.

Begegnen sich mehrere Verkehrsteilnehmer, muss einer warten. 

In der ERA, einem technischen Regelwerk für die Planung von Radverkehrsanlagen, werden Spezifikationen angegeben, wie und wo solche solche Umlaufsperren gebaut werden sollen. Der ADFC hat in einem Positionspapier diese Regeln verdeutlicht. Allerdings entsprechen wohl die meisten davon in Reinbek nicht den Anforderungen bezüglich der Einfahrtsbreite, den Abständen der Gitter und dem Abstand zu kreuzenden Verkehrswege. Einige Bundesländer haben die ERA als verbindliche Voraussetzung für Förderungen eingeführt. Hamburg gehört dazu, Schleswig-Holstein leider nicht.

Insgesamt sollte die Tendenz dahin gehen, solche Hindernisse zu entfernen, so dass alle Verkehrsteilnehmer ohne Hindernisse vorankommen. Umso unverständlicher ist es, dass vor der Klosterbergenschule nach der Sanierung des Weges eine neue Umlaufsperre hinzugekommen ist. 

Neue Umlaufsperre Blickrichtung Westen

Und dies an einer Stelle, an der es eigentlich keinerlei Gefährdung gibt. 

Dafür wird es den Schülern schwerer gemacht, mit dem Rad zur Schule zu kommen. Ältere Verkehrsteilnehmer werden den sanierten Weg ignorieren und mit dem Rad lieber über die Klosterbergenstraße fahren.

Neue Umlaufsperre Blickrichtung Osten (Täby)

Auch alle anderen Verkehrsteilnehmer, die die Umlaufsperre nicht passieren können, müssen Umwege in Kauf nehmen.

Wenn Reinbek den Verkehr wirklich klimaschonend gestalten möchte, dann sollten solche Hindernisse möglichst schnell entfernt werden.

Außerdem wäre es sinnvoll, die ERA bei der Planung von Radwegen zu berücksichtigen. Vor der Klosterbergenschule war das jedenfalls nicht der Fall.

Verkehr

Erste Planungen zur Verbesserung des Radverkehrs in Reinbek – Was davon übrig blieb!

Vor etwas mehr als einem Jahr berichtete Zukunft!Reinbek darüber, dass Reinbeks Radwege-Infrastruktur mit 300.000 € p. a. gefördert werden soll und wie die Mittel verwendet werden sollten. 

300.000 € klingt erst mal viel – vor allem, wenn man bedenkt, dass in den Jahren vorher gerade mal 30.000 € dafür eingeplant waren – allerdings sind Baumaßnahmen sehr teuer und somit sind die 300.000 € dann auch schnell ausgegeben. 

Sollte man zumindest meinen. 

Die im Artikel genannten Maßnahmen in der Steinerei waren beschlossen und seitens des Bauamts wurde eine Beauftragung im Jahr 2020 in Aussicht gestellt. Damit würde zumindest ein Teil des Geldes investiert werden und wenigstens auf dieser Strecke würde Radfahren in Reinbek etwas sicherer gemacht werden.

Aber es kam anders.

Es stellte sich heraus, dass die Maßnahmen über die AktivRegion Schleswig-Holstein gefördert werden können. Die entsprechenden Anträge wurden gestellt und bewilligt, aber dadurch verzögerte sich die Umsetzung, sodass der Etat aus 2020 aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht mehr verwendet werden konnte.

Die gute Nachricht ist:

  • Reinbek kann die Kosten für die Umsetzung senken. 
  • Reinbeks Ausgaben für 2020 wurden um 300.000 € gesenkt.

Die schlechte Nachricht ist:

  • Die 300.000 € für 2020 können nicht für andere Rad-Projekte genutzt werden.

Auch dieses Jahr wird man wohl nicht ausreichend Projekte angehen können, damit die 300.000 € genutzt werden können. 

Das hat vielfältige Ursachen (Personalmangel, Corona, …), aber für die Radfahrenden und den Klimaschutz gab es bisher keine Verbesserungen.

Ideen gibt es viele. 

Das ins Leben gerufene Gremium Runder Tisch Rad, dem auch Zukunft!Reinbek angehört, hat einige Vorschläge gemacht. 

Viele Ideen stammen aus dem Radverkehrskonzept 2015 (niveaugleiche Bordsteinabsenkung, Verbesserung der Radwegequalität, Kopfsteinpflaster ersetzen, …). Sie sind heute noch genauso aktuell, wie vor sechs Jahren und warten immer noch auf die Umsetzung.

Dieses Jahr sollen – so zumindest die Planung – die Verbesserungen im Bereich der Steinerei (Beleuchtung, Reparatur der Wege) ihren Anfang nehmen. Außerdem sollen am S-Bahnhof abschließbare Fahrradboxen aufgestellt werden (Baubeginn geplant November 2021).

Hoffen wir, dass langsam aber sicher weitere Vorschläge umgesetzt werden können, damit Radfahren in Reinbek besser wird.

Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, dass für die nächsten Jahre im Haushalt zusätzlich zu den geplanten 300.000 € weitere Gelder bereitgestellt werden können. 
Schließlich hat man diese ja in 2020 gespart.